
Vielleicht hast du dir diese Frage insgeheim schon gestellt: Ist mein Kind normal? Ist das einfach die Pubertät? Oder ist da vielleicht doch noch etwas anderes?
Vielleicht hat die Schule angerufen und ihr kämpft täglich um Hausaufgaben, Veränderungen im Tagesablauf, Schlaf. Vielleicht siehst du, wie dein Kind völlig erschöpft nach Hause kommt und einfach zusammenbricht, obwohl der Tag für andere Kinder offenbar ganz normal war. Und vielleicht fragst du dich schon eine Weile, ob du als Elternteil etwas falsch machst.
Die Antwort ist: nein.
Was viele dieser Jugendlichen erleben, ist kein Erziehungsversagen und kein Charakterproblem. Es ist ihr Nervensystem, das täglich Hochleistung erbringt – in einer Welt, die nicht für ihre Art zu denken, wahrzunehmen und zu fühlen gemacht ist.
Viele entwickeln über Jahre Strategien sich anzupassen, die nach außen funktioniert und innen zerstören. Fachleute nennen das „Masking“. Was es hinterlässt, sind Erschöpfung, Selbstzweifel und das anhaltende Gefühl, mit sich selbst irgendwie nicht zu stimmen. Durch Masking wird die Neurodivergenz lange nicht als solche erkannt und dein Kind vielleicht als „Klassenclown“, „Störer“ oder „Asozial“ abgestempelt.
Und wenn Kinder dann zu Jugendlichen werden, verändert sich die gesamte Dynamik. Im Kindesalter sind Eltern noch der natürliche Mittelpunkt. Mit der Pubertät verschiebt sich das. Jugendliche wollen und müssen zunehmend selbst navigieren – in der Schule, Freundschaften, dem eigenen Körper und einer Identität, die sich gerade erst formt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: komplexere soziale Strukturen, mehr Selbstorganisation, höherer Leistungsdruck. Für neurodivergente Jugendliche ist das oft die Hochphase der Erschöpfung.
Was sie dann oft am dringendsten brauchen, ist jemand, der das erkennt und versteht. Deshalb setzt unser Coaching genau dort an. Nicht mit der Frage, wie dein Kind „normaler“ werden kann. Sondern mit der Frage, wie es gut mit sich selbst leben kann – so wie es ist.
Du musst keine Diagnose in der Hand halten. Was zählt, sind Muster, die du beobachtest:
Jugendliche kommen mit ganz unterschiedlichen Geschichten zu uns.
Manche haben gerade erst erfahren, dass ADHS oder Autismus eine Rolle spielen könnte. Andere haben bereits eine Diagnose und suchen nach Antworten auf Fragen, die dadurch erst entstanden sind. Manche kämpfen vor allem mit Erschöpfung, andere mit Selbstzweifeln, sozialen Herausforderungen oder dem Gefühl, nirgends so richtig dazuzugehören.
Deshalb gibt es bei uns kein festes Programm, das Schritt für Schritt abgearbeitet wird. Stattdessen orientiert sich das Coaching an vier Bereichen, die für viele neurodivergente Jugendliche wichtig werden:
Diese Bereiche bieten eine gute Orientierung, sind aber keine feste Reihenfolge.
Jeder bringt eigene Erfahrungen, individuelle Stärken und ein ganz persönliches Tempo mit. Gemeinsam schauen wir, welche Themen gerade wichtig sind, welche Fragen euch beschäftigen und welche Unterstützung im Moment erforderlich ist.
Manche Jugendliche brauchen zunächst vor allem Verständnis für sich selbst. Andere suchen konkrete Strategien für Schule und Alltag. Wieder andere möchten herausfinden, wer sie eigentlich sind, wenn sie nicht ständig versuchen, Erwartungen zu erfüllen.
Viele Jugendliche tragen bereits eine lange Geschichte von Zuschreibungen mit sich herum: faul, chaotisch, empfindlich, unmotiviert oder schwierig.
Im Coaching geht es zunächst darum zu verstehen, was tatsächlich hinter diesen Erfahrungen steckt.
Für viele ist das ein wichtiger Wendepunkt, denn für viele Jugendliche ist es das erste Mal, dass ihre Erfahrungen nicht als Defizit behandelt werden. Dass jemand sagt: Es ergibt Sinn, dass du so reagierst.
Verstehen ist oft der Anfang. Danach stellt sich die Frage, was im Alltag helfen kann.
Gemeinsam erkunden wir Strategien, die zum jeweiligen Jugendlichen passen. Themen sind unter anderem:
Was in dieser Phase entsteht, ist die Fähigkeit, sich selbst früher wahrzunehmen und besser auf sich reagieren zu können. Es gibt keine Patentrezepte. Was hilfreich ist, hängt immer vom einzelnen Menschen ab.
Ziel ist nicht Perfektion, sondern ein besseres Verständnis dafür, was guttut und was Kraft kostet.
Die Jugendzeit ist geprägt von der Frage: Wer bin ich eigentlich?
Für neurodivergente Jugendliche ist diese Suche oft besonders herausfordernd. Viele haben gelernt, sich anzupassen, sich zu vergleichen oder ihre Schwierigkeiten stärker wahrzunehmen als ihre Fähigkeiten.
Im Coaching entsteht Raum, die eigene Geschichte neu zu betrachten. Es geht um Stärken, Interessen, Werte, Zugehörigkeit und den Umgang mit Scham oder Selbstzweifeln. Schritt für Schritt kann daraus ein Selbstbild entstehen, das nicht von Defiziten geprägt ist, sondern die ganze Person in den Blick nimmt.
Das ist der Teil des Coachings, der sich am stärksten von der Arbeit mit jüngeren Kindern unterscheidet.
Mit zunehmender Klarheit richtet sich der Blick oft nach vorne.
Dabei geht es nicht um einen perfekten Plan. Sondern um Orientierung, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen des Jugendlichen orientiert und nicht an den Erwartungen anderer.
Im Jugendalter bedeutet Elternarbeit etwas anderes als bei jüngeren Kindern. Das Coaching ist ein geschützter Raum, Inhalte werden nur weitergegeben, wenn das ausdrücklich gewünscht ist.
Gleichzeitig finden begleitende Elterngespräche statt. Nicht um Kontrolle zu üben, sondern um Verständnis aufzubauen:
Der Fokus liegt auf Zusammenarbeit – zwischen dir, deinem Kind und uns.
Die Schule wird nach dem Coaching nicht plötzlich einfach. Der Alltag bleibt fordernd. Aber etwas verändert sich grundlegend, wenn ein Jugendlicher aufhört, sich selbst als Problem zu sehen und anfängt, sich selbst zu verstehen.
Aus Selbstzweifeln wird Einordnung. Aus dem ständigen Versuch, jemand anderes zu sein, entsteht nach und nach mehr Vertrauen in die eigene Art, die Welt zu erleben. Das ist kein kleines Ergebnis und es wird deinem Kind ein Leben lang nützlich sein.
Auf Can Agustin arbeiten wir ohne Schubladen, ohne den Anspruch, jemanden zu verändern. Auf Wunsch können unsere Pferde Teil des Coachings sein. Gerade für Jugendliche, die im Gespräch schwer zugänglich sind, kann die Arbeit mit Pferden einen anderen Zugang öffnen.
Unsere Coachings finden mitten in der Natur auf unserer Finca statt. Ein Setting ohne Schulalltag, ohne Leistungsdruck, ohne Vergleiche zu anderen Jugendlichen und ohne weiße Wände. Can Agustin ist ein Ort, an dem Jugendliche nicht funktionieren müssen.
Wenn ihr möchtet, verbindet ihr das Coaching mit einem Aufenthalt bei uns.
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Übrigens: Wir bieten rund um das Thema Neurodivergenz auch Coachings für Erwachsene mit später Diagnose, Coaching für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung oder ADHS (6-12 J.) sowie Coaching für Angehörige neurodivergenter Menschen an. Schau dich gern mal um!