Klassenfahrt nach CAN AGUSTIN auf Mallorca

Klassenfahrt nach Mallorca

Eine Schule für sehbehinderte Schüler besucht CAN AGUSTIN

 

Wie wir als Schule CAN AGUSTIN auf einer Klassenfahrt nach Mallorca für uns entdeckten – und immer wieder voller Freude an diesen außergewöhnlichen Ort zurückkehren. Ein Bericht von Thomas: Klassenlehrer auf einer Schule für Schüler mit einer Sehbehinderung

 

Strandausflug auf der Klassenfahrt nach MallorcaJeder kennt es: Bei den großen, bedeutenden Dingen im Leben bleibt die Erinnerung an dem Moment haften, an dem alles begann. In unserem Fall ist das ein Mittwoch, Mitte Mai 2014. Ich sollte uns vielleicht ein wenig näher vorstellen. Wir, das ist die Johann-Peter-Schäfer-Schule Friedberg (Hessen), eine Einrichtung mit blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern. Dort bin ich als Klassenlehrer in Lerngruppen mit blinden Schülern tätig, die zusätzlich eine geistige Behinderung und teilweise noch eine körperliche Behinderung aufweisen.

 

Und zu „wir“ gehört im engeren Sinn „meine“ Erzieherin im Schuldienst, Daniela Jakobi. Sie inspiriert, ist immer positiv und vermittelt: Das ist zu schaffen!

 

Eine Idee wird geboren …

 

Nun zurück in den Mai 2014, zu einer Klassenfahrt nach Speyer. Die dauert, wie üblich bei Schullandheimaufenthalten, fünf Tage von Montag bis Freitag. Für mich ist es die zweite Fahrt und damit noch keine Routine. Das Ziel suchen, die Eltern überzeugen, Anträge stellen, Begleitpersonal finanziert bekommen und so weiter und so fort. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand – und dann ist montags der Anreisetag und am Freitag um 8 Uhr morgens geht es zurück.

 

So sind auch die Gedanken an diesem Mittwoch im Mai 2014 in Speyer. An diesem herrlichen Frühlingstag unternehmen wir eine Schiffstour auf dem Rhein. Alle sind einer Meinung: Schade, dass die Zeit so schnell vergeht. Denn Klassenfahrten sind eine tolle Sache, ein echtes Highlight. Sie ermöglichen, die Schüler einmal anders kennen zu lernen. Es ist ein neues Miteinander, fernab der festen Alltagsstrukturen in der Schule. Und wenn sich die Kollegen gut verstehen, auf einer Wellenlänge sind, schaut auch niemand auf die Uhr und erkennt darin eine Pflichtveranstaltung.

 

In diesem unbeschwerten, leichten Moment, kam uns die Idee zu unserer nächsten Reise: „Wir könnten ja mal nach Mallorca fliegen„, hat Daniela an diesem Nachmittag oben an Deck bei strahlendem Sonnenschein laut gedacht. Eine Schnapsidee, utopisch umzusetzen, zum Abwinken.

 

Vorbereitungen für eine Klassenfahrt nach Mallorca

 

Wochenmarkt MallorcaDennoch setzt sie sich fest. Im Sommer wird die Meinung der Eltern abgefragt. Die signalisieren grundsätzlich Interesse. Was folgt, sind Wochen und Monate der Recherche:

 

Wo könnten wir unterkommen? Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Unterkunft auch für schwerer körperlich beeinträchtigte Schüler geeignet sein muss. Wie läuft das mit dem Flug? Und vor allem auch: Wie lässt sich das Ganze finanzieren?

 

Irgendwann, es muss Anfang 2015 gewesen sein, stoße ich auf das Reiseangebot der Lebenshilfe NRW, zu dem damals noch CAN AGUSTIN mit Tanja als Hausleiterin zählt. Das hört sich passend an. Ein Zeitpunkt für die Fahrt im Mai/Juni 2016 ist zügig gefunden.

 

Hilfreiche Sponsoren unterstützen die Reisepläne nach Mallorca

 

Parallel zur Buchung läuft die Sponsorenakquise. Über den Elternbeitrag und den Zuschuss der Schule ist der elftägige Aufenthalt nicht zu stemmen.

 

Wir führen mit der Klasse eine Unterrichtseinheit zum Thema Mallorca durch, besuchen den Frankfurter Flughafen, kochen mallorquinisch, beschäftigen uns handlungsorientiert mit dem Meer und Strandfeeling, lernen erste spanische Brocken. Das alles wird dokumentiert in einer „Bewerbungsmappe„, ergänzt um Begründungszusammenhänge, warum eine Reise ins Ausland für unsere Schüler aus der Berufsorientierungsstufe eine große Bedeutung hat. Diese Mappe geht, irgendwo zwischen wahllos und gezielt gewählt, an etwa 50 Firmen und Stiftungen. Dazu kommt ein selbst verfasster Artikel in der lokalen Tageszeitung, indem das Vorhaben geschildert und für Unterstützung geworben wird.

 

Letztlich sind es etwa 20 Unternehmen, Stiftungen und Privatleute, die uns helfen. Von 50 Euro bis in den vierstelligen Bereich sind alle Beträge vertreten.

 

2018, bei einer zweiten Reise, gestaltet sich die Sponsorensuche deutlich müheloser, da auf die drei Unterstützer, die 2016 je zwischen 2500 und 3500 Euro gegeben haben, zurückgegriffen werden kann. Der Flug wird über ein Reisebüro und über den Betreuungsdienst am Frankfurter Flughafen abgewickelt. Viele Angaben werden benötigt, doch dadurch gestaltet sich der Abflugtag auch entsprechend der genauen Vorplanung wirklich entspannt.

 

Die erste Klassenfahrt nach Mallorca 2016

 

Paella Abend auf dem Finca PlatzRund zwei Jahre Vorbereitung, mit viel Arbeit und jeder Menge Fragezeichen verbunden, enden, als wir Ende Mai 2016 mit dem Bus durch das Eisentor auf das Gelände von CAN AGUSTIN fahren. Ein zunächst einmal unwirklicher und dadurch überwältigender Moment, schließlich ist eine ursprüngliche Schnapsidee tatsächlich wahr geworden.

 

Ich habe bis jetzt – mit Absicht – noch nichts Näheres zu CAN AGUSTIN und speziell zu Tanja geschrieben, wobei der Kontakt mit ihr von Anfang an, also schon eineinhalb Jahre vor der Reise – super war. Ob per Mail oder telefonisch, sie ist immer auf uns, unsere Wünsche, Bedürfnisse und auch Bedenken eingegangen, hat Lösungen präsentiert und Sorgen genommen. Dass wir uns in deutscher Sprache verständigen konnten, war ein riesen Vorteil für uns, sodass Missverständnisse, die ggf. auf die Sprache zurückzuführen wären, umgehen werden konnten.

 

CAN AGUSTIN hatten wir uns über Texte, Fotos und Videos selbstredend ausführlich im Vorfeld angeschaut, sodass wir wussten, was uns erwartet. Das heißt, wir hatten Zahlen, Fakten, visuelle Eindrücke von der Finca samt Umgebung und kannten Tanja aus der Ferne. Was wir vor Ort erleben durften, und das nach 2016 erneut 2018, übertraf alle Erwartungen bei Weitem und ist nur schwer in Worte zu fassen.

 

Ein Ort des Glücks …

 

Bootstour auf MallorcaCAN AGUSTIN ist ein Ort des Glücks, das möchte ich ohne jeden Pathos behaupten. Entschleunigen, die Natur erleben, Menschen begegnen und seine Zeit wirklich im Jetzt und Hier genießen – das alles ist möglich. Und noch viel mehr, wobei es keinerlei „MUSS“ gibt. Wenn ich so überlege, ich würde Tanja meine Klasse bedenkenlos anvertrauen. Sie interessiert sich ausnahmslos für jeden (behinderten) Menschen, der zu ihr kommt, kümmert sich einfühlsam, wo sie nur kann. Wer könnte sich da nicht wohl und wunderbar aufgehoben fühlen? Was sie da aufgebaut hat und wie sie das lebt, ist Berufung. Sie hat uns die Gelegenheit gegeben, so viel zu erleben.

 

… zum Sammeln wertvoller Erfahrungen

 

Beach Buggy Tour auf MallorcaBootstouren, Konzerte, Besuche von Wochenmärkten und Festen, Beach-Buggy-Abenteuer – um nur einige zu nennen. Unsere Schüler, die sonst doch häufig ihre Einschränkungen spüren, auch wenn sie es nicht immer zum Ausdruck bringen können, profitieren unheimlich von den Mallorca-Reisen. Sie verschieben für sich Grenzen, sammeln Selbstvertrauen, machen eben auch das, was ihre Altersgenossen tun. Für die Eltern besitzt das einen großen Wert. Ich möchte auch für uns als mitreisendes Personal sprechen. Es ist überragend, die Schüler bei den Erfahrungen, die sie sammeln, zu begleiten.

 

Die Meinung im Kollegium schwankt, wenn wir von den Fahrten berichten oder erzählen, dass wir mitten in der Vorbereitung stecken: Die einen würden für sich nie die Zeit von bis zu 14 Tagen opfern wollen, die anderen glauben mit einem netten Augenzwinkern versehen, wir würden „Urlaub“ machen. Das möchte ich verneinen. Urlaub ist es für uns nicht, aber es ist das Beste, was ich in meinem Beruf bislang erleben durfte. Zu sehen, was diese Reise bei unseren Schülern und Schülerinnen auslöst, und wie frei und normal sie sich bei Tanja fühlen, ist jeden Aufwand wert.

 

Klassenfahrt nach Mallorca – eine gute Idee!

 

Soweit ich weiß, sind wir die einzige Schule, die regelmäßig auf CAN AGUSTIN zu Gast ist. Mit unserem Beitrag hier im Blog möchten wir andere Schulen oder Vereine und Institutionen ermutigen, so eine Reise zu planen und umzusetzen. Es wäre schön, wenn dieser Beitrag glaubhaft zeigen könnte, dass es umsetzbar ist und sich der Einsatz wirklich lohnt. Von Speyer oder sonst wo nach Mallorca zu Tanja auf CAN AGUSTIN – es ist absolut möglich und wird ein unvergessliches Abenteuer für jeden Einzelnen.

 

Traut Euch! Euer Thomas aus Friedberg

 

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